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Fast jeder Besitzer eines Schmidt-Cassegrain Teleskops kennt das Problem: dreht man am Fokussierknopf des Teleskops, dann verschiebt sich das ganze Bild parallel um ein gehöriges Stück nach oben oder unten (je nach Drehrichtung), so daß es bei manchen Geräten zusammen mit hohen Vergrößerungen sogar schwierig sein kann, ein Objekt im Bildfeld zu behalten.
Dieses auch "Image-Shifting" genannte Problem haben alle Teleskope, die durch Verschiebung des Hauptspiegels die Schärfe einstellen. Beim Drehen am Fokussier-knopf verschiebt sich nämlich der gesamte Primärspiegel - gleichzeitig verkippt er hierbei auch je nach Qualität des Teleskops ein wenig.
"Ist mein Teleskop hierdurch überhaupt noch funktionstüchtig?", werden sich jetzt sicherlich einige Leute fragen. Hier kann ich nur beruhigen ... in den meisten Fällen sieht das Ganze nämlich viel schlimmer aus, als es in Wirklichkeit ist.
Prinzipiell besitzt jedes Schmidt-Casse-grain Teleskop dieses Shifting, nur wirkt es sich je nach Fertigungstoleranz mal mehr oder weniger stark auf die Beobachtungen aus. Ob diese Auswirkungen bei einer gestellten Aufgabe tolerierbar sind, muß jeder jedoch selbst entscheiden! Für die astrome-trischen Messungen die wir am Turtle Star Observatory mit unserem Celestron C-8 (und demnächst auch mit einem 10"-Meade) machen, ist es z.B. nicht weiter tragisch, wenn man weiß, unter welchen Umständen es auftritt...
Im optimal justierten Teleskop sollten nämlich alle Komponenten exakt senkrecht auf
der optischen Achse liegen, was bei einem geshifteten Spiegel natürlich nicht mehr der Fall ist. Die Auswirkungen des Image-Shiftings auf die Spiegeljustage kann man auch tagsüber sehr gut mit der im Folgenden beschriebenen Methode selbst begutachten:
Man nehme eine normale schwarze Kleinbild-Filmdose (z.B. von Kodak), und schneide beim unteren (dem großen schwarzen) Teil den Boden ab. In die Mitte des Deckels (hier ist sogar durch die Gußnaht des Kunststoffs "vorgekörnt") bohrt man nun ein Loch von etwa 1 bis 2mm Durchmesser.
Die Filmdose paßt exakt in den 1¼"-Anschluß auf der Teleskop-Rückseite. Richtet man das Gerät nun einfach gegen den hellen Himmel (aus Sicherheitsgründen natürlich weitab von der Sonne) oder gegen eine helle Zimmerdecke, muß bei exakter Kollimation genau zentrisch ein kreisrundes "Doughnut" (die Abbildung des Primärspiegels) erkennbar sein. Jede Abweichung der Spiegel von der optischen Achse wird bei diesem Test durch eiförmige Verformungen des Randes oder des inneren Punktes deutlich.
Bringt man nun den Spiegel durch Fokussieren zum Shiften, sollte ebenfalls eine mehr oder weniger starke Verformung des Ringes erkennbar sein.
Dieses Werkzeug eignet sich übrigens auch sehr gut, um eine erste grobe Kollimation des Teleskops vorzunehmen.
Die genaue Kollimation des Teleskops wird jedoch am besten erst nachts "am echten Stern" vorgenommen!
Als "Ring" benutzt man in diesem Fall einen hellen, unscharf eingestellten Stern, der dann sozusagen als Abbild der Eintrittsöffnung, also ringförmig wiedergegeben wird.
Der Stern wird hierzu exakt mittig in das Gesichtsfeld verfahren. Ist dieser Ring oval bzw. Erscheint der innere Rand nicht konzentrisch zum Äußeren, verstellt man so lange die Justage des Fangspiegels, bis der Ring wieder "kreisrund" erscheint.
Hierdurch ist der Stern jetzt natürlich mehr oder weniger an den Rand des Gesichtsfeldes gewandert. Also wird der "Sternring" durch Neupositionierung des Teleskops mit Hilfe der Feinbewegung der Montierung erst einmal wieder in die Mitte des Gesichtsfeldes geholt. Das Ganze muß man nun so lange wiederholen, bis der Ring auch in der Bildfeldmitte konzentrisch erscheint...
Die Feinjustage erfolgt dann anschließend bei hohen Vergrößerungen anhand der Beugungsringe eines hellen Sterns. Auch diese müssen kreisrund erscheinen, was jedoch aufgrund des mehr oder weniger stark herrschenden Seeings manchmal recht schwierig ist. Es stellt sich mir hierbei allerdings sowieso die Frage, ob diese "Feinjustage" aufgrund des Shiftings überhaupt Sinn macht...
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Die im Text beschriebene Kollimation des Teleskops. Das linke Teilbild (a) zeigt den im Okular zentrierten und unscharf eingestellten Stern bei dejustierter Optik. Nach dem ersten Arbeitschritt (b) ist der Ring zwar konzentrisch, jedoch liegt er nicht mehr zentral im Gesichtsfeld. Nach mehrmaliger Wiederholung der Arbeitsgänge erhält man schließlich auch in der Gesichtsfeldmitte eine konzentrische Sternabbildung (c). |
Es sollte sich von selbst verstehen, daß man alle hier geschilderten Arbeitsschritte beider Methoden ohne Zenitspiegel oder Amiciprisma vornimmt, da alle diese Bauteile ihrerseits wieder optische Fehler haben können, die eine richtige Beurteilung des eigentlichen Problems unmöglich machen.
Abgesehen von dem bereits in der Einleitung beschriebenen "Wandern" der Objekte beim Fokussieren, treten bei schwachen bis mittleren Vergrößerungen (immer den Fall eines mäßigen Shiftings vorausgesetzt) kaum Probleme auf!
Tragisch wird es dagegen bei starken Vergrößerungen, wie sie z.B. bei der Mond- und Planetenbeobachtung vorkommen. Im Extremfall führt die Verkippung des Hauptspiegels hier zu einer so starken Dejustage, daß das Teleskop garnicht mehr richtig scharf zu stellen ist. Bei "normalem" Shifting ist dies zwar auch zu beobachten, jedoch werden sich die praktischen Auswirkungen meist unterhalb des herrschenden Seeings abspielen, so daß der Beobachter sie in vielen Fällen nicht wahrnehmen wird.
Die meisten weiteren störenden Auswirkungen des Image-Shiftigs treten "fast nur" bei fotografischer Nutzung des Gerätes auf ... nur bei "extrem schlechten" Geräten kommen einige von ihnen auch visuell zum Tragen:
Hat man das Teleskop z.B. auf einen Stern im Osten fokussiert und möchte dann ein Objekt in der westlichen Himmelshälfte fotografieren, kann sich der Spiegel, aufgrund der dann unter einem anderen Winkel angreifenden Gravitationskraft, von alleine "wegshiften"! Die Folgen sind, je nach Größe des Shiftings (wie man aus den obigen Schilderungen bereits erahnen kann), unscharfe Sterne!
Man sollte diesen Effekt jedoch nicht überschätzen, da er wie bereits gesagt meist nur sehr gering ausfällt! Er ist aber auf jeden Fall existent und sorgt dafür, daß sich das Sternscheibchen um wenige Bogensekunden (") aufweitet! Auf einem herkömmlichen Film ist dies normalerweise nicht zu sehen, da z.B. ein durchschnittlicher 400er-Film bei f=2000mm (C-8) nur um die 10" auflöst! Tragischer ist es bei der CCD-Fotografie, da hier die Auflösung oftmals bei wenigen Bogensekunden pro Pixel liegt!
Durch das langsame Verschwenken des Teleskops während einer längeren Belichtungszeit kann dieses "Gravitations-Shifting" auch zum Tragen kommen!
Tragisch wird dies, wenn man z.B. Fotos im Primärfokus macht und diese mit einem separaten Leitfernrohr (meist einem Refraktor) nachführt. Der Refraktor (der ja selbst keinem Shifting unterliegt) sieht nur die Nachführgenauigkeit der Montierung. Shiftet der Hauptspiegel des SCT, merkt man davon nichts! Je nach Größe des Shiftings fällt diese Bewegung dann jedoch auf dem fertigen Foto als Strichspur der Sterne auf ... Toleranzgrenze hierfür siehe oben!
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Dieser hier im vollständigen Kleinbildformat - wenn auch stark in der Bildgröße reduziert - wiedergegebene Scan einer Aufnahme des Eta-Carinae-Nebels erscheint auf den ersten Bilck perfekt nachgeführt (oben). Der in Originalgröße wiedergegebene Ausschnitt (unten) des Originalscans - das volle Bild wäre dann etwa 3200 x 2500 Pixel groß, macht jedoch den durch das Image-Shifting entstandenen Nachführfehler erkennbar! In diesem Fall ist der Hauptspiegel des als Leitfernrohr fungierenden C-8 während der 30-minütigen Belichtungszeit um ca. 45" gewandert, was bei 300mm Brennweite bereits deutlich sichtbar wird. Die Aufnahme entstand auf der Farm "Niederschachsen" in Namibia. |
Das Gleiche kann natürlich auch in umgekehrter Anordnung passieren, wenn man mit einem Schmidt-Cassegrain Teleskop z.B. ein "Piggy-Back" montiertes Teleobjektiv nachführt.
Man korrigiert dann das Shifting des Spiegels, obwohl das Teleskop eigentlich gut gelaufen wäre! - Dies ist uns z.B. bei unseren letzten 300mm-Teleaufnahmen in Namibia passiert: Das zur Nachführung benutzte Celestron C-8 hatte ein Shifting von ca. 60" (also knapp mehr als einem scheinbaren Jupiterdurchmesser!). Bei einer Belichtungszeit von 60 Minuten (Kodak ProGold 400 bei Blende 4,5) sah man auf den fertigen Bildern sehr schön die 60" langen Strichspuren, die jeweils genau senkrecht zum Horizont standen.
Visuell ist, wie bereits weiter oben gesagt wurde, dem Shifting meist einfach mit Nachfokussieren zu begegnen. Die folgenden Ausführungen zeigen, daß man, hält man nur bestimmte Vorgehensweisen ein, auch mit vorhandenem Shifting fotografisch zu guten Ergebnissen kommen kann:
Astrofotos im Primärfokus fokussiert man z.B. immer auf Sterne in der Nähe des aufzunehmenden Objektes, wenn nicht gar auf das Objekt selbt! Nach jedem größeren Verschwenken des Teleskops muß neu fokussiert werden!
SCTs führt man fokal am besten nur off-axis nach! Dabei sieht man sowohl die Fehler der Montierung als auch das Shifting des Spiegels!
Bilder mit aufgesetzter Kamera funktionieren entweder nur mit geringen Brennweiten oder kurzen Belichtungszeiten!
Nach meinen Erfahrungen mit dem oben beschriebenen Gerät würde ich sagen bis max. ca. 135mm oder 200mm Brennweite. Diese Grenze ist aber von Teleskop zu Teleskop verschieden, sie hängt, wie man sich leicht selber vorstellen kann, sowohl vom Shiftingbetrag ab, als auch von der Belichtungszeit bzw. der Zeit, in der das beschriebene "Gravitations-Shifting" stattfindet (bei den mir bekannten Geräten war dies meist nach 40 Minuten der Fall).
Einige Firmen bieten heute die Beseitigung des Image-Shiftings als Dienstleistung an.
Ich sehe es aber nicht ein, für die Behebung dieses Problems bei einer Firma viel Geld zu lassen, da man dies auch mit relativ geringen Aufwand und etwas bastlerischem Geschick selbst erledigen kann.
Als wir zu Reinigungszwecken vor einiger Zeit unserer Celestron C-8 (welches zum Glück kaum merkliches Shifting aufweist) einmal zerlegen mußten, haben wir uns auch besonders den Fokusmechanismus einmal angesehen. Dieser ist im übrigen, abgesehen natürlich von der Größe, identisch mit dem des größeren Celestron C-14, wie wir 1997 bei der Reparatur des Teleskops an der Cuno-Hoffmeister Gedächtnissternwarte in Windhoek/Namibia feststellen konnten.
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Schematischer Schnitt durch durch die Spiegelzelle mit Fokussiermechanismus eines Schmidt-Cassegrain Teleskops. Die Zahlen beziehen sich auf die im Text beschriebenen Bauteile. |
Prinzipiell besteht der ganze Fokussiermechanismus aus nichts weiter als zwei ineinandergeschobenen Rohren, die sich gegeneinander verschieben lassen! Das innere der beiden Rohre ist hierbei die interne "Gegenlichtblende" (1) der Schmidt-Cassegrain Teleskope, die fest mit der Rückseite des Tubus verbunden ist - in unseren beiden oben genannten Fällen durch ein Schraubgewinde.
Der Hauptspiegel (2) ist auf dem äußeren Rohr (3) fest angebracht, wobei im Fall des Celestron C-8 vorne etwa (geschätzt) 8cm und hinten 2cm über die jeweiligen Spiegeloberflächen überstehen.
An der Rückseite des Spiegels ist seitlich etwas versetzt noch eine Gewindestange (4) angebracht - durch drehen des Fokussierknopfes (5), dessen Lage ja fest mit der Rückwand des Teleskops (6) verbunden ist, wird der Spiegel nun nach vorne geschoben bzw. nach hinten gezogen!
Da die Kraft die durch das Ziehen bzw. Schieben der Gewindestange auf den Spiegel ausgeübt wird außeraxial angreift, wirkt jedesmal ein Drehmoment auf die Spiegelhalterung. Hinzu kommt, daß der Spiegel sich ja leicht auf der Gegenlichtblende verschieben lassen soll, also muß sein Rohr einen etwas größeren Durchmesser als diese haben. Die Folge aus diesen beiden Tatsachen ist, daß die beiden Rohre bei jeder Umkehr der Fokusbewegung gegeneinander verkippen - was eben das beobachtete Shifting verursacht!
Die Lösung des Problems ist relativ simpel - aber sie funktioniert, wie ich mich bei dem Meade 2080 eines Freundes überzeugen konnte!
Man bringt hierfür sowohl am äußersten vorderen und hinteren Rand des "Spiegelrohres" jeweils drei Teflonschrauben im 120°-Winkel zueinander an, die man feinfühlig so justiert, daß der Spiegel sich noch frei bewegen läßt, aber nicht mehr verkippt!
Besonders für rein visuelle Anwendungen ist die Installation eines Okularauszugs hinter der Spiegelzelle eine Alternative. Von JMI (Jim's Mobile Inc.) gibt es hierfür z.B. den sog. NGF-S - Fokussierer. Dieser funktioniert genauso wie ein Okularauszug an einem Newton-Teleskop. Zum Fokussieren wird jetzt also das Okular (oder die anderen Zubehörteile) und nicht der Spiegel bewegt. Hierbei wird eine Reduzierung der Bildverschiebung um 100% versprochen, was ich jedoch, wie die folgenden Überlegungen zeigen werden, als schwierig erachte, da man einen solchen Okularauszug nur auf zwei Wege realisieren kann:
Man baut einen entsprechend langen Auszug, der in die Gegenlichtblende des Teleskops hineinreicht. Dieser hat logischerweise einen geringeren Innendurchmesser als diese, so daß unweigerlich ein größerer Gesichtsfeldbeschnitt als ohnehin schon eintritt...
Man arbeitet mit einem außen aufgesetzten (kurzen) Auszug.
In beiden Fällen hat man das Problem, daß die doch relativ schweren Zubehörteile nur am Okularauszug befestigt werden. Man muß also eine Möglichkeit finden, diesen sicher zu arretieren, damit sich der einmal eingestellte Fokus nicht wieder durch das angehängte Gewicht der weiteren Zubehörteile verstellt!
Hinzu kommt, daß sich dann der Okularauszug, der ja auch nur auf wenigen cm gelagert ist, genauso verkippen kann wie vorher der Spiegel. Das Resultat wäre dann genau das gleiche, wie vorher bei der Spiegelfokussierung...
Bei der "Originallösung" (Spiegel-fokussierung) ist das Problem mit der angeschraubten Last übrigens nicht so kritisch, da man alles Zubehör fest mit dem hinteren Teleskopende verschrauben und evtl. auch noch über die Gewinde am Tubusrand versteifen kann...
Ein eindeutiger Nachteil des Okularauszuges (zumindest gegenüber dem Selbstbau mit der Teflonschrauben) ist sein verhältnismäßig hoher Preis. Bei JMI kostet der besagte NGF-S zur Zeit z.B. um die $US 300,-!
Fazit
Bei allen theoretischen Überlegungen bleibt für mich immer die Frage, in wie weit man das Shifting überhaupt reduzieren muß, damit es nicht mehr stört...
Gerade die Fokussierung über den Hauptspiegel ist doch auch ein gewaltiger Vorteil der Schmidt-Cassegrain Teleskope den man nicht vergessen sollte! Nur so ist es z.B. möglich, den Brennpunkt des optischen Systems selbst für bis zu mehr als 200mm lange Aufbauten hinter der Spiegelzelle richtig einzustellen. Gerade bei der Fotografie mit Telekompressor, Off-Axis-Guider (und evtl. bei CCD noch einem Flipmirror) ist dies notwendig. Newton-Teleskope sind hier z.B. meist klar im Nachteil.
Und jetzt wünsche ich allen Schmidt-Cassegrain Teleskop-Besitzern viel Spaß und Erfolg beim Basteln oder Austauschen...
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