Die großen Sternkataloge

oder

Wie genau sind astronomische Datenwerke?

(Teil 2)

von Axel Martin

In der letzten Ausgabe der Spica habe ich Ihnen die Sternkataloge vorgestellt, die mittlerweile veraltet sind. In diesem Teil möchte ich einen Überblick über die modernen Kataloge geben.

aktuelle Sternkataloge

Der bereits im letzten Heft erwähnte ARCS wurde hauptsächlich erstellt, um als eine Positionsgrundlage für den AC (Astrographic Catalogue), einem bereits seit mehreren Jahrzehnten geplanten, noch umfangreicheren Katalog, zu dienen. Der AC und die dazugehörige Carte du Ciel waren Mammutprojekte, mit denen man zu Beginn unseres Jahrhunderts versuchte einen Sternkatalog bis 11m,5, bzw. einen Himmelsatlas bis 14m zu erstellen. Mehr als 20 verschiedene Sternwarten beteiligten sich damals an dem Projekt, wobei jede von ihnen einen zugewiesenen Deklinationsbereich bearbeiten mußte. Der Atlas wurde nur in einigen wenigen Deklinationszonen vollendet, jedoch wurde fast von allen Sternwarten ein Katalog von rohen x,y-Messungen der verwendeten Fotoplatten veröffentlicht - insgesamt ein Werk mit mehr als 4 Millionen Einträgen. Wie sich herausstellte sind diese Messungen so genau, daß man sie sehr gut als Ausgangspunkt für die Bestimmung von Eigenbewegungen verwenden kann.
Die entsprechenden Berechnungen wurden in den letzten Jahren am U.S. Naval Observatory durchgeführt. Man schloß die alten Daten des Carte du Ciel-Projekts an neue, mit dem Doppel-Astrograph der Sternwarte in Washington D.C. gewonnenen Positionen an. Herausgekommen ist dabei ein Datenwerk mit bisher mehr als 750.000 Einträgen nördlich -18° Deklination, der TAC-Katalog (Twin Astrographic Catalogue). Generell sind hierin alle Sterne heller 10m,5 (blau-fotografisch) verzeichnet, teilweise werden jedoch auch noch eine Größenklasse schwächere Objekte erfaßt. Nicht nur, daß dies gegenüber dem ARCS- bzw. PPM-Katalog mehr als dreimal so viele Sterne sind - auch deren Genauigkeit ist mit durchschnittlich 0",1 um den Faktor drei besser! In den nächsten Jahren soll auch das noch fehlende Himmelsareal bis zum südlichen Himmelspol bearbeitet werden. Die Aufnahmen hierfür werden von einer Sternwarte in Neuseeland angefertigt. Die bisher veröffentlichten Daten können bereits online über das Internet unter http://aries.usno.navy.mil/ad/tac.html bezogen werden.

Ganz aktuell ist auch die neueste Bearbeitung der bereits für den Digitized Sky Survey eingescannten Daten. Mit Hilfe von verbesserten Korrekturalgorithmen sind die aus den Schmidtplatten abgeleiteten Positionen wesentlich genauer geworden, so daß die Positionsfehler im neuen GSC-Katalog - Version 1.2 bei ca. 0",3 liegen. Bisher ist dieser Katalog nur über das Internet unter http://www-gsss.stsci.edu/gsc/gsc12/gsc12_form.html abzurufen, wenn auch nur Auszugsweise unter Angabe eines Feldmittelpunktes und -durchmessers. Eine komplette Veröffentlichung, wie beim GSC-Katalog Version 1.1, auf CD ist allerdings nicht geplant, man will hier lieber abwarten bis die nächste überarbeitung der Daten (siehe weiter unten) abgeschlossen ist.

Bereits erhältlich ist der mehr als 500.000.000 (500 Millionen!) Sterne, das sind etwa 2% aller Milchstraßensterne, enthaltende USNO UA1.0-Katalog. Die Daten hierfür wurden mit einem automatischen Plattenscanner, der Propper Motion Machine (kurz PMM), am U.S. Naval Observatory von den originalen P.O.S.S.-Platten (keine Kopien) erstellt. Erfaßt wurden alle sternförmigen Objekte bis hinunter zur mindestens 19. Größenklasse - und dies selbst in so dichten Milchstraßenregionen wie in den Sternbildern Adler und Schwan. Der UA1.0 wird auf 10 CD-ROMs ausgeliefert (6 Gigabyte), ist jedoch nur für professionelle Observatorien erhältlich. Informationen über diesen Katalog sind unter http://www.usno.navy.mil/pmm im Internet abrufbar.

Interessant für den astrometrisch arbeitenden Amateurastronomen ist der USNO SA1.0. Er ist ein Extrakt des USNO UA1.0 welches auf einer CD-ROM ca. 54.000.000 (54 Millionen!) Einträge zwischen der 16. Und 19. Größenklasse - gleichmäßig über den kompletten Himmel verteilt - enthält. Wer sich für dieses Datenwerk interessiert, kann Bestellinformationen ebenfalls unter http://www.usno.navy.mil/pmm. abrufen. Nach Informationen von Herbert Raab, dem Programmierer des Astrometrieprogramms ASTRIOMETRICA, wird der USNO SA1.0 ab der nächsten Version des Programms als Vermessungsgrundlage verwendbar sein, weshalb auch wir am Turtle Star Observatory bereits eine Ausgabe des Katalogs besitzen.

zukünftige Sternkataloge

Auch in der nächsten Zeit werden weitere interessante Katalogwerke fertiggestellt werden. Unter ihnen wird der Hipparcos-Katalog bei weitem der genaueste sein. Die von dem Astrometrie-Satelliten der ESA vermessenen Sternpositionen wurden bis auf 0",001 (eine Millibogensekunde) bestimmt. Hinzu kam die Ermittlung von ähnlich akkuraten Parallaxen und Eigenbewegungen. Insgesammt wird dieser Katalog jedoch nur etwa 100.000 Einträge enthalten.

Die Positionen sowie B- und V-Helligkeiten von fast 1.000.000 Sternen wurden mit einem zweiten Instrument an Bord von Hipparcos, der sog. Tycho-Kamera, bestimmt. Dieser Tycho-Katalog ist bis herunter zu 10m,5 vollständig, enthält jedoch auch noch viele Einträge bis herunter zu 11m,5. Er wird damit nicht ganz so vollständig sein wie es heute bereits der TAC ist, dafür jedoch eine höhere Genauigkeit besitzen.

Besonders interessant für den Amateurastronomen erscheint der Millenium Star Atlas, der in der zweiten Jahreshälfte bei Sky Publishing erscheinen soll. Dieses auf den Tycho-Daten basierende Kartenwerk wird die heutigen Standardwerke wie z.B. Uranometria 2000.0 ersetzen. Bestellungen werden bereits entgegen genommen.

Am Space Telescope Science Institute hat man bereits mit der überarbeitung des GSC-Katalogs begonnen. Man will jetzt allerdings die Sterne des Hipparcos-Katalogs als Positionsbasis verwenden, so daß sich die Positionsfehler unter 0",2 bewegen werden. Das hierbei entstehende Werk soll dann als GSC-Katalog - Version 1.3, voraussichtlich im Jahre 1999, auch wieder auf CD-ROM erhältlich sein. Ebenfalls geplant ist eine Vermessung der noch schwächeren Sterne auf den P.O.S.S.-Platten. Der GSC-Katalog - Version 2.0 soll alle Sterne bis herunter zur 18. Größenklasse enthalten. Seine Veröffentlichung wird aber voraussichtlich erst nach der Jahrtausendwende erfolgen.

Als noch sehr entferntes Ziel hat das U.S. Naval Observatory die Erstellung eines Katalogs bis zur 15. Größenklasse bekanntgegeben. Im Vergleich zu den bisher genannten Werken vom Umfang her eigentlich nichts besonderes, man will jedoch an die Genauigkeit der heutigen Hipparcos-Sterne herankommen. Ein Name für dieses Projekt ist bisher noch nicht bekannt gegeben worden.

Fazit

Aufgrund der Ungenauigkeiten der zur Zeit verfügbaren Sternkataloge wollen wir unsere Messungen in der nächsten Zeit mehr und mehr mit Hilfe des USNO-SA1.0 auswerten und hoffen, daß die angekündigte Überarbeitung des GSC-Katalogs auch zum angekündigten Termin erscheint.

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