Ein Fokussiernonius im Eigenbau

Umbauten an einem Celestron C-8

von Axel Martin

Ein besonderes Problem der Astrofotografie war schon immer die korrekte Scharfeinstellung. Wenn man keine aufwändigen Umbauarbeiten am Kameragehäuse durchführen wollte, war die Einstellung des richtigen Focus immer ein mehr oder weniger großes Glücksspiel. Ein vermeindlich scharfes Foto stellte sich nach der Entwicklung oftmals als völlig unbrauchbar heraus.
Die einfachste Art des Scharfstellens ist es, einen hellen Stern auf der Mattscheibe der Spiegelreflexkamera so zu fokussieren, daß sein Bilddurchmesser minimal wird. Bei den heute weit verbreiteten Mikroprismenmattscheiben ein nicht gerade leichtes Unterfangen, da das Sternscheibchen konstruktionsbedingt nicht kleiner werden kann als die "Körnung" der Mattscheibe. Hat man den exakten Brennpunkt nach langer Suche schließlich gefunden, kann man ihn bei vielen Teleskopen leider nicht markieren, da meist keine Hilfsskalen am Okularauszug vorhanden sind. So fängt man dann am nächsten Fotoabend wieder die gesamte Prozedur wieder von vorne an.
Der Besitzer einer CCD-Kamera wird jetzt einwenden, daß dies für ihn kein Problem sei. Er kann nämlich bereits kurz nach der Aufnahme die Bildschärfe begutachten und das Bild so gegebenenfalls mit einer etwas veränderten Einstellung noch einmal wiederholen. Doch auch hier kann eine Skala am Okularauszug von Nutzen sein. Dann nämlich, wenn die Bildschärfe zu Beginn der Beobachtung noch völlig verstellt ist, so daß die CCD-Kamera nur ein sehr großes, oftmals auch noch sehr lichtschwaches unscharfes Beugungscheibchen eines Sterns sieht. In diesem Fall ist es sehr vorteilhaft, wenn man einen ungefähren Anhaltspunkt für die Fokuslage hätte.
Auch an unserem C8-Teleskop am Turtle Star Observatory hatten wir mit dem oben geschilderten Problem zu kämpfen, so daß wir uns nach einer einfach zu realisierenden Lösung umgesehen haben. Grundgedanke hierbei war es, einen reproduzierbaren Zählmechanismus am Fokussierknopf des Teleskops zu befestigen.
Unsere Wahl fiel nach kurzer Überlegung auf einen Einstellknopf für 15-Gang-Drehpotentiometer. (Erhältlich z.B. über die Firma CONRAD-Electronic) Dieser wurde nach Entfernung des normalen Handverstellknopfes des Teleskops mit einem Adapter an der Fokussier-achse befestigt. Die von uns gewählte Lösung erlaubt es, einen einmal eingestellten Fokuswert auf 1/100 Umdrehung genau wieder herzustellen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit die Drehachse mit Hilfe eines kleinen Hebels festzuklemmen.

Fokussiernonius- © Axel Martin

Die von uns umgebaute Fokussiereinrichtung des C8 erlaubt neben einer auf 1/100 Umdrehung genauen Fokusablesung auch die Festklemmung der Spiegelverstellung.

Der von uns verwendete Adapter ist zweiteilig und besteht aus einem Reduzierstück, welches den Durchmesser der Fokussierachse auf den der Aufnahmebuchse des Einstellknopfes bringt. Der zweite Teil des Adapters ersetzt die Justageplatte des Original-fokussierers. Er sorgt dafür, daß sich das Gehäuse des Einstellknopfes beim Verstellen der Schärfe nicht mitdreht. Beide Adapterstücke sind einfache Drehteile, die an jeder Drehbank ohne Probleme hergestellt werden können. Die spätere Montage, zusammen mit einer notwendigen Neujustage des Okularauszugs, dauert nur wenige Minuten. Anschließend muß man dann noch einmal in der Nacht die korrekte Justage der gesamten Optik kontrollieren.
An dieser Stelle soll jedoch ein Nachteil unserer Konstruktion nicht verschwiegen werden. Durch unsere Änderungen sind wird nicht mehr in der Lage den komplett möglichen Fokussierweg des Teleskops zu nutzen, da die den Hauptspiegel tragende Gewindestange gegen unseren Reduzieradapter läuft. Wir verlieren hierdurch ca. vier Fokussierumdrehungen (von 20). Dies ist jedoch deshalb nicht weiter tragisch, weil es nur die Einstellungen betrifft in denen der Brennpunkt sehr nah hinter der Hauptspiegelzelle zu liegen kommt. In der Praxis wird dieser Fall wohl auch nie auftreten, da man fast immer Zwischenoptiken wie z.B. Zenitprisma, Telekompressor, Off-Axis-Guider, Flipmirror, Filterhalter, etc. verwendet, die alle eine Verlagerung des Brennpunktes nach hinten bewirken.
Für den, der an einem Nachbau interessiert ist, stehen wir natürlich gerne schriftlich oder telefonisch zur Verfügung. Sie können auch direkt einen Bauplan für die beiden Adaperstücke downloaden. Hierbei ist allerdings zu beachten, daß dieser Plan 100%ig nur für Teleskope gilt, die aus der gleichen Bauserie wie unser C-8 stammen! Ältere öder jüngere Geräte, Instrumente von Celestron mit anderen Öffnungsdurchmessern, sowie SC-Teleskope anderer Firmen können sich in ihrem Aufbau und ihren Abmessungen teilweise deutlich unterscheiden. Die Adapterstücke sind in solchen Fällen entsprechend selbst anzupassen...

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