Die totale Mondfinsternis vom 9.1.2001

von Karolin Kleemann-Böker, Andreas Böker und Axel Martin

Welcher Anlass ist wohl besser, einen anderen Verein zu besuchen, als ein astronomishes Ereignis. So bot sich die am 09.01.2001 stattfindende totale Mondfinsternis an, den VVA (Verein für volkstümliche Astronomie, vielen Sternfreunden durch die jährliche Ausrichtung des ATT bekannt) in Essen an seinem Beobachtungsstandort aufzusuchen. Dieser Platz befindet sich nordöstlich der Essener Innenstadt, auf einer mittlerweise begrünten Abraumhalde, auf dem sich neben einer Bezirkssportanlage auch ein Segelmodellflugverein eingerichtet hat. Auf dem Gelände der Modellflieger konnte sich der VVA bereits vor zwei Jahren eine feste Betonsäule mit Schutzbau errichten.
Da sich das vereinseigene Teleskop mitten auf einer Grünfläche, die durch den Dauerregen der vorhergehenden Tage ziemlich aufgeweicht war, befindet, hätte dieses Instrument nur unter erschwerten Bedingungen benutzt werden können. Aus diesem Grund trafen sich die Mitglieder des VVA mit ihren eigenen Geräten auf dem asphaltierten Parkplatz. Dies hatte zu dem den Vorteil, dass der Strom für die Nachführung direkt über den Zigarettenanzünder des jeweiligen Autos entnommen werden konnte.

Zeche Zollverein - © K. Kleemann-Böker

Der Ausblick vom Beobachtungsstandort des VVA zeigt seine Lage mitten im Ruhrgebiet. Der Blick fällt auf den alten Förderturm der Zeche Zollverein. Diese inzwischen nicht mehr in Betrieb befindliche Schachtanlage beherbergt heutzutage ein Industriemuseum. Der im Bild sichtbare Schornstein ist einer von vieren, die zur Kokerei der Zeche gehören.

Das schlechte Wetter ließ bis zum Beginn der Finsternis die Hoffnung auf einen klaren Blick auf den sich verfinsternden Mond nicht gerade aufkommen. Da es zumindest am späten Nachmittag aufgehört hatte zu regnen, konnten die Fernrohre gefahrlos aufgebaut werden. Nachdem gegen 18:00 Uhr die letzten Wolken abgezogen waren und einen zwar dunstigen aber trotzdem mit Einschränkungen brauchbaren Himmel hinterlassen hatten, stand einer erfolgreichen Beobachtung des Himmesschauspiels eigentlich nichts mehr im Weg.
An Geräten standen zur Verfügung: ein im Azimutalmodus betriebenes 12" SCT von Meade und ein C-8 auf paralaktischer Gabelmontierung. Nachdem alles aufgebaut war, warteten wir gespannt auf den Beginn der Verfinsterung. Um ca. 19:45 Uhr war es dann soweit. Der Mond tauchte in den Kernschatten der Erde ein! Die Halbschattenphase hatten wir bis dahin gar nicht bemerkt. Es lag wohl daran, dass wir uns mitten im "Kohlenpott" befanden und dass der Dunst alles in ein leicht nebeliges Licht tauchte. Voller Sorge warfen wir daher immer mal wieder den Blick Richtung Westen, ob von dort nicht doch wieder Wolken auftauchten.
Aufgrund des Dunstes war die Verfärbung des Mondes dann auch nicht so deutlich, wie wir sie von anderen Mondfinsternissen her kannten, zu erkennen. Trotzdem konnte man einen deutlichen Farbunterschied, der mehr in Richtung Ocker als nach Kupfer tendierte, bemerken. Insgesamt war die Verfinsterung nicht so stark ausgeprägt, was aber auch den Vorhersagen entsprach - der Mond sollte schließlich den dunkelsten Teil des Kernschattens verfehlen.
Bis etwa 23:10 Uhr war der Himmel wolkenfrei, wenn sich auch der Dunst leider immer weiter verstärkte. Während der totalen Phase von 20:49 Uhr bis 21:51 Uhr hatten wir die beste Sicht, so dass wir entgegen aller Erwartungen doch noch ein paar Aufnahmen machen konnten. Da unsere Ausrüstung am TSO nicht mehr transportabel ist, hatten wir lediglich ein normales Fotostativ und eine Spiegelreflexkamera mit einem 200mm bis 400mm-Zoomobjektiv dabei.

Der total verfinsterte Mond - © A. Martin

Der total verfinsterte Mond. Aufgenommen durch ein 12"-SCT bei F/6.3 auf Kodak Elitechrome 400. Die Belichtungszeit betrug 15sec. Der Stern in der Nähe des Mondrandes ist 63 Gem, der trotz seiner Nähe gerade eben nicht mehr bedeckt wurde.

Die Fotoausbeute dieser Kombination hielt sich allerdings leider in Grenzen. Dies lag wohl zum einen am Dunst, der allen Aufnahmen einen nicht gewollten Weichzeichnereffekt verlieh und zum anderen an der fehlenden Nachführmöglichkeit. Selbst auf 800ASA-Film waren Belichtungszeiten im Bereich von mehreren Sekunden notwendig, so dass sich die Erddrehung in Form eines eher ovalen Mondbildes bemerkbar machte.
Glücklicherweise dauert die Totalität einer Mondfinsternis ja viel länger, als die bei einer Sonenfinsternis. So konnten wir denn dann auch den 12"er von Dieter Friedrich benutzen, um etwas aussagekräftigere Bilder zu bekommen. Dies gelang auch, trotz unserer anfänglichen Skepsis gegenüber der azimutal betriebenen Montierung. Aufgrund des eingesetzten Focalreducers wurde die Brennweite auf ca. f=1900mm verkürzt, so dass der Mond bequem im Bildfeld der Kleinbildkamera Platz fand.
Die bei den letzten Mondfinsternissen gewonnen Erfahrungen in Bezug auf die erforderlichen Belichtungszeiten konnten wir bei diesen Fotos voll einbringen. Bei Belichtungszeiten zwischen 5 und 15 Sekunden Länge gelangen einige gute Bilder. Problematisch gestaltete sich der Betrieb des Teleskops ohne Taukappe. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit setzte eine komplett beschlagene Schmidtplatte gegen 22:00 Uhr allen Fotoversuchen ein Ende.
Eine nette Dreingabe hielt der Abend noch bereit: Die Bedeckung des Sternes Delta Geminiorum. Bereits gegen 18:20 Uhr hatte sich der noch nicht verfinsterte Mond vor den ca. 3,5mag hellen Zwillingsstern geschoben. Was im Teleskop und sogar im Sucher der Kamera gut beobachtbar war, blieb dem bloßen Auge aufgrund der durch den Dunst bedingten Himmelsaufhellung leider verborgen.
Doch auch während der Finsternis verschwanden noch mehrere schwache Sterne hinter dem Mondrand. Auch wenn keine dieser Bedeckungegn mit bloßem Auge zu erkennen war, war es doch interessant zu beobachten, wie sich der rötliche Mond auf den jeweiligen Stern zubewegte und dieser dann von einer Sekunde auf die andere "ausgeknipst" wurde.

Die Beobachtergruppe - © A. Böker

Das Bild zeigt den Teil der Beobachtergruppe, der sich am 12"er versammelt hatte. Von links: Peter Vorberg (VVA), Dieter Friedrich (VVA), Uwe Lennartz (VVA), Karolin Kleemann-Böker (TSO) und Axel Martin (TSO).

Wie entsteht eine Mondfinsternis?

Da die Mondbahn um die Erde um ca. 7° gegenüber der Erdbahn um die Sonne geneigt ist, tritt der Vollmond nicht jeden Monat in der Erdschatten ein. Meist läuft er ober- bzw. unterhalb (schraffierter Teil der Mondbahn) am Schattenkegel vorbei. Wie aus der oberen Abbildung ersichtlich ist, kommt es nur zu einer Verfinsterung, wenn sich der Mond um die Vollmondzeit in der Nähe der sog. Knotenlinie seiner Bahn befindet. Unter der Knotenlinie versteht man dabei die Schnittlinie von Erd- und Mondbahn.

Entstehung einer Mondfinsternis (Bild 1) - © TSO

Die Finsternis selbst teilt sich noch einmal in drei Teilbereiche auf. Eine Finsternis beginnt, wenn der Mond in den Halbschatten (H) der Erde eintritt (2). Die hierbei auftretenden Verdunkelung ist allerdings so minimal, dass sie selbst von einem informierten Beobachter nur selten bemerkt wird. Erst wenn der Mond in den Kernschatten der Erde (K) eintritt beginnt der beobachtbare Teil der Finsternis, die sog. partielle Phase der Finsternis. Sobald sich der komplette Mond im Kernschattenbereich befindet (3), ist die totale Verfinsterung erreicht. Das Ende der Finsternis spielt sich entsprechend in umgekehrter Reihenfolge ab.

Entstehung einer Mondfinsternis (Bild 2) - © TSO

Aufgrund der Größenverhältnisse im Erde-Mond-System kann die totale Phase maximal 100 Minuten andauern. In einem solchen Fall beträgt die Gesamtdauer zwischen Ein- und Austritt aus dem Kernschatten ca. 220 Minuten.
Läuft der Mond nicht zentral durch den von der Erde geworfenen Schattenkegel, kann es auch zu partiellen Finsternissen (der Mond streift lediglich den Kernschatten) bzw. Halbschattenfinsternissen (der Mond tritt zwar in den Halbschatten ein, verfehlt jedoch die Kernschattenzone) kommen. Pro Jahr treten maximal zwei totale Mondfinsternisse auf. Im Gegensatz zu einer totalen Sonnenfinsternis, die ja nur von einem kleinen Teil der Erdoberfläche beobachtbar ist, ist eine totale Mondfinsternis überall dort zu sehen, wo der Mond zu diesem Zeitpunkt über dem Horizont steht. Berücksichtigt man dann auch noch die Finsternisdauer, ist eine Mondfinsternis von mehr als der Hälfte der Erdoberfläche aus zu verfolgen.

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