Die partielle Sonnenfinsternis

vom 12. Oktober 1996

von Siegfried David

Angesagt war die Sonnenfinsternis für den 12. Oktober im Jahre 1996 von ca. 15:00 - 17:00 Uhr (MESZ) im Bereich Essen, bzw. Mülheim-Ruhr. Für die Interessen - Gemeinschaft Sternfreunde an der Ruhr (IG StaR) ein interessanter Termin. Es bildeten sich schnell drei Gruppen, die sich an den vorhandenen Beobachtungspunkten einfanden. Die größte Gruppe mit vier Teilnehmern fand sich hierbei auf dem Gelände des Turtle Star Observatory in Mülheim-Ruhr ein. Eine zweite, etwas kleinere Gruppe mit drei Teilnehmern beobachtete das Ereignis auf einem privatem Grundstück in Essen-Kettwig. Ein Mitglied unserer Gemeinschaft machte z.Z. Urlaub in Norddeutschland und war daher dort als Einzelkämpfer im Einsatz.
Alle drei Gruppen beobachteten mit den verschiedensten Teleskopen. Hierbei wurden auch viele Fotos gemacht. Da bei fast allen Gruppen sogar mehrere Geräte zur Verfügung standen, wurde hierdurch die visuelle Beobachtung fast nicht beeinträchtigt.

Dem Laien sei hier gesagt, daß die Sonne nie mit dem ungeschützten Auge beobachtet werden darf, da man sonst sofort auf dem betreffenden Auge erblinden würde.

Wir schützten unsere Teleskope und Augen mit speziellen Sonnenfiltern oder mit einem Teil einer goldenfarbigen Rettungsfolie, einer sogenannten Mylarfolie. Den Kindern, denen unser Wirken natürlich nicht verborgen blieb, gaben wir Teile der Mylarfolie ab, so daß sie nun jeder für sich an diesem Erlebnis teilhaben konnten. Es bereitete ihnen riesigen Spaß und wir freuten uns darüber (auch, daß wir jetzt nicht mehr gestört wurden).
An diesem für uns so bedeutenden Tag zeigte sich der Himmel (Petrus sei Dank!) von seiner allerschönsten Seite. Der Himmel war blau und wolkenlos. Es war ein Samstagnachmittag. Auch die ansonsten Berufstätigen konnten sich also in aller Ruhe ihrer Leidenschaft widmen.

Sonnenfinsternis - Bild 1 - © Siegfried David
Sonnenfinsternis - Bild 2 - © Siegfried David

Während des Finsternismaximums waren etwa 53% der Sonnenscheibe vom Neumond verdunkelt. Die zweite Abbildung entstand kurz vor Ende der Finsternis.
Beide hier abgebildeten Fotografien entstanden mit einem 500mm/1:5.6 Teleobjektiv auf handelsüblichen 100ASA-Negativfilm. Zur Abschwächung des hellen Sonnenlichts wurde ein selbstgebautes Sonnenfilter aus Rettungsfolie (z.B. im Autozubehörbedarf oder bei Automobilvereinen erhältlich) verwendet. Da während des Finsternisverlaufes leichte Cirruswolken aufzogen, wurde die Filterfolie entsprechend der vorherrschenden Lichtverhältnisse ein- oder zweilagig eingesetzt.

Eine Sonnenfinsternis findet statt, wenn sich der Mond auf seiner Bahn zwischen Sonne und Erde schiebt und sein Schatten auf die Erde fällt. Dies ist natürlich nur bei Neumond möglich. Aber wiederum nicht bei jedem Neumond, da die Neigung der Mondbahnebene zur Ekliptik ca. 5 beträgt. Da sich der Mond nicht auf einer Kreisbahn um die Erde bewegt sondern auf einer sogenannten Keplerbahn (Ellipsenbahn), ist sein Abstand von der Erde auch nicht immer gleich. Hieraus ergeben sich sich zwei verschiedene Erscheinungsmöglichkeiten einer Sonnenfinsternis. Ist der Abstand des Mondes von der Erde zu groß, können wir lediglich eine ringförmige Sonnenfinsternis sehen. Der Mond erscheint uns kleiner als die Sonnenscheibe am Himmel, d.h. es gibt keinen Kernschatten. Ist der Abstand des Mondes von der Erde klein genug, dann verdunkelt der Mond die Sonne ganz, d.h. die Mondscheibe ist größer als die der Sonne. Es bildet sich dann auf der Erde eine Kernschattenzone mit mehr oder weniger großem Durchmesser aus. Außerhalb dieses Kernschattens existiert eine, verglichen mit dem Kernschattenbereich sehr große Halbschattenzone, die sog. Partiallitätszone, aus. In ihr nimmt der Grad der Bedeckung nach außen hin stetig ab.
Die Sonnenfinsternis vom 12. Oktober war von unseren Standorten aus nur als teilweise Bedeckung der Sonnenscheibe (partielle Sonnenfinsternis) wahrzunehmen. Aber auch weltweit betrug die Bedeckung in ihrer maximalen Phase nur 76 %, da der Kernschatten die Erdkugel dieses Mal gar nicht berührte, sondern oberhalb des Nordpols im Weltraum verlief. Die Bedeckung bei uns lag jedoch bei immerhin ca. 53%.
Zum Abschluß möchte ich schon den nächsten Finsternistermin bekannt geben: Es ist der 11. August 1999. Dann können wir, soweit Petrus wieder mitspielt, eine totale Sonnenfinsternis im Raume Saarbrücken - Stuttgart - München erleben. In unserer Gegend wird es, da wir auch dann wieder nur in der Halbschattenzone liegen, eine partielle Sonnenfinsternis sein. Es bleibt also noch genug Zeit, sich auf dieses Himmelsschauspiel vorzubereiten und eine Reise nach Süddeutschland zu planen!

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